Donnerstag, 8. Mai 2014
Montag, 6. Januar 2014
Projekt "Heute wird aus dem Stegreif gespielt"
Das
Pirandello Ensemble beschäftigt sich unter der künstlerischen Leitung von
Markus Herlyn seit 2008 schwerpunktmäßig mit dem Werk Luigi Pirandellos
(1867-1936), hier im Besonderen mit der „Trilogie des Theaters auf dem
Theater“.
Zum Stück
Nach
„Sechs Personen suchen einen Autor“ stellt „Heute wird aus dem Stegreif
gespielt“ seit zwei Jahren den Hauptgegenstand der forschenden Theaterarbeit
und Inszenierungspraxis des Pirandello Ensembles dar.
Das
Stück behandelt in erster Linie einen Konflikt zwischen der Regie und den
Schauspielern. Der Regisseur vertritt die Meinung, dass er allein der Schöpfer
des szenischen Kunstwerkes auf der Bühne ist und er sich lediglich dazu der
Kunst der Schauspieler bedient, um die Rollen nach seiner Interpretation darstellen
zu lassen. Genauso bedient er sich des Textes des Autors als Material für seine
Inszenierung, die er allein als sein geistiges Eigentum betrachtet. Die
Schauspieler rebellieren gegen diese Theaterauffassung und wollen die zugewiesene
Rolle als „Instrumente“ der Regie nicht mehr akzeptieren. Ihnen schwebt ein völlig
anderer Entstehungsprozess der Inszenierung vor, an dem sie sowohl mit ihren
Ideen schöpferisch beteiligt sind, sowie mit ihrer persönlichen und realen Lebendigkeit.
Das Leben auf der Bühne entstehe durch die Arbeit der Schauspieler von selbst
und kann von gar niemandem kommandiert werden! So bringt einer der beteiligten
Schauspieler die revolutionäre Stimmung im Produktionsprozess auf den Punkt.
„Heute
wird aus dem Stegreif gespielt“ ist als konsequente Fortsetzung des in „Sechs
Personen suchen einen Autor“ eingeleiteten Themas zu verstehen. In „Sechs
Personen suchen einen Autor“ treffen zwei Welten in einer überraschenden
Begegnung aufeinander: ein Regisseur findet zur Probenzeit nicht nur seine
Schauspieler vor, sondern real gewordene Bühnenfiguren mit einem Eigenleben.
Pirandello will künstlerische Ideen als
„lebendige Wesen“ verstanden wissen. Damit setzt er Maßstäbe für die Umsetzung
von dramatischen Texten auf der Bühne und für die Schauspielerei
überhaupt: die Darsteller auf der Bühne,
die Schauspieler, müssen sich nach Pirandello mit der Idee, dem Wesen einer
Figur auseinandersetzen und die Begegnung mit der künstlerischen Idee suchen,
um zu einer lebendigen Darstellung zu gelangen. Die Regie wiederum sollte sich
in der Funktion eines Helfers der Schauspieler im schöpferischen Prozess der
Bühnenkunst verstehen.
Die Inszenierung
Der
Entstehung der Stücke im „Studio 13 Theaterinstitut“ liegen verschiedene Arbeitsschritte zu Grunde. Am Anfang steht immer
eine längere Forschungsphase mit Laboratorien. Dabei schlagen die SchauspielerInnen Szenenskizzen vor, die im
Dialog mit der künstlerischen Leitung weiterentwickelt werden.
In
Anlehnung an Pirandello kann man sagen: Wir laden die 'Ideen' zu uns ein, setzen
uns mit ihnen auseinander und fordern einige zum 'Bleiben' auf.
Sobald
genug Material erarbeitet worden ist, entwickelt die künstlerische Leitung auf
dieser Basis zusammen mit dem Ensemble ein Szenarium für die Inszenierung. In
der letzten Arbeitsphase, den Szenen-
und Inszenierungsproben übernehmen die Regie und die SchauspielerInnen wieder
ihre eher klassischen Funktionen: die SchauspielerInnen kümmern sich in erster
Linie um ihre Rollengestaltung sowie die szenische Umsetzung und die Regie um
die Inszenierung. Auf diese Weise entstehen Inszenierungen, die nicht nur den
schöpferischen Prozess einer Person (des Regisseurs) wiederspiegeln, sondern
die Ideenwelt eines ganzen Ensembles integrieren.
Wie
man bei Pirandello lernen kann, kommen die Ideen aber nicht nur, wenn man sie
ruft, sondern sie stehen zumeist plötzlich im Raum, ohne vorher anzuklopfen.
Daher entwickeln sich auch die Inszenierungen im Laufe der Aufführungspraxis
immer weiter. Inszenierungen werden hier nicht als irgendwann ‚fertig‘
verstanden, sondern als ‚lebendige Wesen‘.
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Mittwoch, 18. Dezember 2013
"Botschafter" - Ein Theaterprojekt für Menschen mit langjährigen Haftstrafen
Unter dem Arbeitstitel "Botschafter" ist seit bald acht Monaten ein Theaterprojekt in intensiver Planung, das die
besondere Lebenssituation von langzeitinhaftierter Menschen reflektiert. Das Projekt soll mit einer Gruppe von männlichen Strafgefangenen in der
Justizvollzugsanstalt Bremen-Oslebshausen über einen längeren Zeitraum erarbeitet werden.
Eingesperrt sein auf engstem Raum, zerplatzte Träume, ein
strenges Reglement, "Knastkultur", gesellschaftliche Isolation, die
schwierige Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld und mit dem Sinn des
eigenen Lebens. Kleine Hoffnungen: eine Extra-Ration Tabak, eine Brieffreundin
im Frauenknast, ein Musikinstrument, ein paar Blatt Papier und ein Stift. Und
immer nur man selbst. Das und ähnliches ist der Themenkosmos, aus dem eine Eigenproduktion
entstehen soll.
Die theaterpädagogische Arbeit an der Entwicklung,
Inszenierung und Aufführung des Stücks bietet den Langzeitinhaftierten einen Rahmen
zu formulieren und auf künstlerische Weise sichtbar zu machen, was sonst hinter
hohen Mauern verborgen bleibt. Das Projekt und die Aufführung sollen für die
Strafgefangenen eine Brücke, ein Sprachrohr, eine künstlerisch-diplomatische
Vertretung in die Öffentlichkeit sein. Mit dem Ziel, mehr Verständnis für die
Situation der Strafgefangenen zu erreichen und Vorurteile in der Gesellschaft
abzubauen.
Warum?
Durch die nunmehr mehrjährige Beschäftigung mit
Theaterarbeit im Strafvollzug sind wir auf die besondere Problematik von
Menschen mit langen Haftstrafen aufmerksam geworden. Dieser Personenkreis, der
allen gesellschaftlichen Schichten und Bildungshintergründen entstammt, hat in
der Regel schwere Straftaten begangen. Oft ist der Grat zwischen
"Normalbürger" und "Schwerverbrecher" allerdings viel
schmaler als man es gewöhnlich denkt.
Die Situation der "Schwerverbrecher" ist
einerseits ein gesellschaftliches Tabu-Thema und gleichzeitig kocht die
Volksseele hoch. Es herrschen Vorurteile von "Hotelvollzug" bis zur
Forderung nach drakonischen Bestrafungen und "Wegsperren für immer".
Es scheint immer mehr zu einer Frage zu werden, ob unsere Gesellschaft nach wie
vor auf einen resozialisierenden Strafvollzug setzen will bzw. überhaupt noch
gewillt (geschweige denn in der Lage) ist, diesen zu realisieren. Theaterarbeit
ist ein vielfältig wirksamer Weg, um Bewegung in solcherart festgefahrene
Positionen und scheinbar zementierte
Situationen zu bringen. Sie fördert den gesellschaftlichen Dialog in einem
schwierigen Feld und stiftet Beziehungen über hohe Mauern in den Köpfen hinweg.
Denn schließlich wird nach unserer Auffassung kein Weg daran vorbei führen zu
erkennen, dass letztlich unsere Gesellschaft selbst einen erheblichen Anteil
dazu beiträgt, dass die Kriminalitätsraten steigen, indem immer mehr Menschen –
wie selbstverständlich - von gesellschaftlicher und kultureller Teilhabe
ausgeschlossen werden.
Die Ausarbeitung und Umsetzung des Theaterprojektes als auch
die vom Studio 13 Theaterinstitut entwickelte theaterpädagogische
Vorgehensweise sollen den Inhaftierten neue (künstlerische) Möglichkeiten
eröffnen, sie kulturell sowie
gesellschaftlich besser integrieren und ihnen ein Sprachrohr sowie eine Brücke in die Gesellschaft anbieten.
Wie?
Das Theatertraining, die schauspielerische Grundlagenarbeit,
die Entwicklung des Stücks, der Rollen und Szenen sowie die Inszenierungsarbeit werden von einem Team aufeinander eingespielter theaterpädagogischer Kräfte betreut. Gearbeitet wird
dabei auch mit den Mitteln einer dramatischen Schreibwerkstatt mit Anleitungen zum
Verfassen von Monologen, Dialogen und Szenen sowie praktischen Improvisationen
zur Gewinnung von dramatischem Material. Im Focus steht hier die gezielte
Vermittlung von Fertigkeiten in den Bereichen Schauspiel, Dramaturgie und szenischem
Schreiben.
Das pädagogische Konzept wurde speziell für die Zielgruppe
entworfen. Modellhaft ist die praktische und gelebte Zusammenarbeit zwischen
den inhaftierten Amateurschauspielern und professionellen Theaterleuten. Das
Zusammenspiel der Strafgefangenen mit professionellen Theaterleuten gehört zu
den Grundprinzipien unserer Theaterarbeit im Strafvollzug.
Zielpunkt sind öffentliche Aufführungen des Projektes in der Justizvollzugsanstalt Bremen-Oslebshausen. Das Publikum der Aufführungen soll dabei gemischt sein aus Strafgefangenen,
Personal und Repräsentanten der Justizvollzugsanstalt sowie städtischer
Öffentlichkeit. Anschließend soll jeweils eine Diskussion zwischen Akteuren und
Zuschauern stattfinden.
Projektziele
zusammengefasst:
Das Projekt schafft eine künstlerische Ausdrucksplattform
für eine gesellschaftlich stark geächtete und ausgegrenzte Personengruppe.
Gleichzeitig nimmt sich das Projekt eines gesellschaftlich derzeit brisant
diskutierten und stark mit Vorurteilen belasteten Themas an.
Der Abbau von Vorurteilen und der Aufbau guter
künstlerischer sowie "diplomatischer" Beziehungen zur Gesellschaft
sind die vorrangigen Ziele des "Botschafter"-Projektes.
Mit seiner Gefängnistheaterinitiative, den „Gib ein
Zeichen“-Projekten für jugendliche Strafgefangene und dem neuen
„Botschafter-Projekt“ für Menschen mit langjährigen Haftstrafen, möchte das
Studio 13 Theaterinstitut an eine lange Gefängnistheatertradition anknüpfen
und dieser in Bremen neues Leben einhauchen. Seit jeher gehört es zu den
zentralen Aufgaben des Theaters, gesellschaftliche Belange in den Blick zu
nehmen und Missstände zu thematisieren. Uns liegt daran, dies nicht nur auf der
üblichen Bühne zu tun, sondern zusammen mit den Betroffenen die kreativen
Kräfte freizusetzen, die das Theater ermöglicht und damit bei den Betroffenen
und den Zuschauenden Erkenntnisprozesse in Gang setzen.
Montag, 2. Dezember 2013
Fachtagung Gefängnistheater vom 31.Juli bis 3.August 2014 in Bremen
Auch hinter Mauern und Gittern
kann man frei sein.
Fachtagung
„Gefängnistheater“ in Bremen vom 31. Juli bis 3. August 2014.
Methoden,
Fragestellungen und Sinn der Arbeit mit darstellenden Künsten in
Justizvollzugsanstalten
In der resozialisierenden Arbeit mit Strafgefangenen finden
unterschiedliche Formen darstellender Künste in vielen Justizvollzugsanstalten
nicht nur in Deutschland, sondern auf der gesamten Welt erfolgreiche Anwendung.
Ob dabei dramatisches Theater, performatives Theater, Musiktheater, Tanztheater
oder weitere Formen zur Anwendung kommen, hängt in Deutschland in erster Linie
von den jeweiligen Initiatoren dieser Arbeit ab. Die Bedingungen unter denen
diese Arbeit zwischen Kunst, Theaterpädagogik, Kulturvermittlung, Sozialarbeit
und Therapie stattfindet, sind sehr unterschiedlich und abhängig von vielen
Faktoren, wie z.B. der Initiative der jeweiligen Veranstalter, den vorhandenen
oder nicht vorhandenen Schwerpunktsetzungen und Unterstützungen durch die
Leitungen der Justizvollzugsanstalten sowie auch vom Vorhandensein oder
Nicht-Vorhandensein regionaler und überregionaler Förderungsstrukturen und
Unterstützung durch die gesellschaftlichen Institutionen.
Die Fachtagung „Gefängnistheater“ lädt exemplarisch
renommierte Vertreter von Theaterarbeit in Strafanstalten in Deutschland und
Italien für vier Tage nach Bremen ein, um gemeinsam über viele anhängige
Fragestellungen zu diskutieren, in den methodischen und praktischen Austausch
zu kommen und letztlich Sinn und Zweck dieser Arbeit im vom resozialisierenden
Gedanken getragenen Strafvollzug für unsere heutige Zeit klarer
definieren zu können.
Aus folgenden Leithemen resultierende Fragestellungen werden Gegenstand der Referate und Diskussionen bei dieser
Fachtagung sein:
Modelle der Arbeit
mit darstellenden Künsten in Justizvollzugsanstalten
Bedingungen der
Arbeit mit darstellenden Künsten in Justizvollzugsanstalten
Öffentliches Abschlusssymposium am 3.8.2014: Formen, Sinn und Zweck von „Gefängnistheater“
Samstag, 23. November 2013
Pirandello Ensemble "Heute wird aus dem Stegreif gespielt" - Impressionen
"Heute wird aus dem Stegreif gespielt" von Luigi Pirandello
Mit Elinor Bender, Lina Laderer, Hato Nordeck, Stella Oppelland, Rainer Pabst, Reiner Ubbelohde. Künstlerische Leitung: Markus Herlyn
Fotos von Jens Kowollik
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